Ein Restaurierungsfirnis ist kein gewöhnlicher Firnis. Im Unterschied zu dekorativen oder industriellen Schlussfirnissen müssen die in der Konservierung und Restaurierung eingesetzten Firnisse strenge technische Anforderungen erfüllen: Reversibilität, langfristige chemische Stabilität und Verträglichkeit mit den Originalmaterialien des Werks.
Die Verwendung eines ungeeigneten Firnisses kann irreversible Schäden verursachen: vorzeitige Vergilbung, Verlust der Farbsättigung, Schwierigkeiten bei künftigen Eingriffen oder, im schlimmsten Fall, eine direkte Schädigung der Malschicht. Deshalb ist die richtige Wahl keine Nebensächlichkeit.
Retuschierfirnis und Schutzfirnis: eine wesentliche Unterscheidung
Bevor wir auf die Firnistypen eingehen, müssen zwei häufig verwechselte Begriffe unbedingt unterschieden werden:
Retuschierfirnis: Er wird während des Prozesses der Retusche auf bestimmte Bereiche aufgetragen, um die Saugfähigkeit der Oberfläche zu vereinheitlichen und die Farbablesung zu erleichtern. Er wird stark verdünnt in dünnen Schichten aufgetragen und ist nicht als finale Schutzschicht konzipiert.
Schutzfirnis (oder Schlussfirnis): Er wird als Abschlussschicht auf das gefestigte und retuschierte Werk aufgetragen. Seine Funktion ist es, die Oberfläche vor Oxidation, Schmutz und Licht zu schützen und die visuelle Oberfläche zu vereinheitlichen. Er muss reversibel, stabil und mit künftigen Eingriffen verträglich sein.
Einen Retuschierfirnis wie einen Schutzfirnis zu verwenden — oder umgekehrt — ist ein häufiger Fehler, der sowohl das visuelle Ergebnis als auch die Integrität des Werks beeinträchtigt.
Typen von Restaurierungsfirnissen nach ihrer Zusammensetzung
Harnstoff-Aldehyd-Harze: Laropal A81
Laropal A81 (BASF) ist die aktuelle Referenz in der Restaurierung von Gemälden auf Leinwand und Holz. Es handelt sich um ein Harnstoff-Aldehyd-Harz mit niedriger Molekularmasse und außergewöhnlichen Eigenschaften:
- Hohe Reversibilität: löslich in Lösungsmitteln geringer Polarität (Shellsol A100, raffiniertes White Spirit)
- Ausgezeichnete Stabilität: minimale Vergilbung, bewährtes Verhalten in erstklassigen Museumssammlungen
- Oberfläche: kann je nach Verdünnung und Auftragsmethode in unterschiedlichen Glanzgraden formuliert werden
Es ist der empfohlene Firnis für Eingriffe an Gemälden auf Leinwand und Holz, wenn höchste Gewähr für Reversibilität und Beständigkeit verlangt wird.
Kohlenwasserstoffharze: Regalrez 1094
Regalrez 1094 ist ein aliphatisches Kohlenwasserstoffharz mit Eigenschaften, die denen von Laropal A81 in Bezug auf Stabilität und Reversibilität sehr ähnlich sind:
- Hohe Reversibilität: löslich in Shellsol und Lösungsmitteln geringer Polarität
- Ausgezeichnete Stabilität: sehr gutes Verhalten gegenüber der Alterung, ohne nennenswerte Vergilbung
- Oberfläche: glänzend — dies ist ein zu beachtender Punkt, da sie ohne spezifische Additive nicht ohne Weiteres eine matte oder seidenmatte Oberfläche zulässt
Eine solide Alternative zu Laropal A81, wenn eine glänzende Oberfläche gesucht wird, ohne die Reversibilität zu beeinträchtigen.
Naturharze: Dammar und Mastix
Naturharze waren über Jahrhunderte der Standardfirnis, weisen jedoch Einschränkungen auf, die sie für die zeitgenössische Restaurierung problematisch machen:
Dammar: löslich in aromatischen Lösungsmitteln, liefert eine glänzende Oberfläche mit reicher Farbsättigung. Allerdings vergilbt es mit der Zeit und kann sich bei künftigen Eingriffen ohne Risiko für die Malschicht schwer entfernen lassen.
Mastix: mediterranes Harz mit ähnlichen Eigenschaften wie Dammar. Dieselben ästhetischen Vorteile, dieselben Einschränkungen bei der Stabilität.
Beide werden weiterhin in der Restaurierung verwendet — insbesondere bei der Retusche im Firnis und als Bestandteile traditioneller Mischungen — sind aber nicht die erste Wahl für dauerhafte Schutzschichten an Werken von kulturhistorischem Interesse.
Acrylfirnisse mit UV-Schutz
Es gibt Firnisse auf Basis von Acryldispersionen mit integrierten UV-Filtern, die das Werk vor ultravioletter Strahlung schützen sollen. Ihr Einsatz kann in spezifischen Kontexten gerechtfertigt sein (Werk auf Papier, lichtempfindliche Pigmente), doch ist zu beachten, dass ihre Reversibilität mit milden Lösungsmitteln begrenzt ist im Vergleich zu Harnstoff-Aldehyd- oder Kohlenwasserstoffharzen, was künftige Eingriffe erschweren kann.
Schlüsselkriterien für die Wahl des richtigen Firnisses
| Kriterium | Was zu bewerten ist |
|---|---|
| Reversibilität | Mit welchem Lösungsmittel lässt er sich entfernen? Bei welcher Konzentration? Mit welchem Risiko für das Original? |
| Stabilität | Vergilbt er? Verliert er mit der Zeit an Reversibilität? Ist seine Alterung dokumentiert? |
| Oberfläche | Matt, seidenmatt oder glänzend? Ist die Oberfläche einstellbar oder festgelegt? |
| Verträglichkeit | Verträglich mit der Maltechnik und den verwendeten Retuschematerialien? |
| Auftrag | Mit Pinsel, Bürste oder Sprühgerät? Erfordert er eine vorherige Verdünnung? |
Vergleichstabelle der Restaurierungsfirnisse
| Firnis | Basis | Reversibilität | Oberfläche | Stabilität |
|---|---|---|---|---|
| Laropal A81 | Harnstoff-Aldehyd-Harz | Hoch | Seidenmatt / glänzend (einstellbar) | Ausgezeichnet |
| Regalrez 1094 | Kohlenwasserstoffharz | Hoch | Glänzend | Ausgezeichnet |
| Dammar | Naturharz | Mittel | Glänzend | Mittel (vergilbt) |
| Mastix | Naturharz | Mittel | Glänzend | Mittel (vergilbt) |
| UV-Firnis (Acryl) | Acryldispersion | Mittel-niedrig | Variabel | Gut (UV-Filter) |
Hinweis: Paraloid B-72 ist, obwohl in der Konservierung weit verbreitet, ein Festigungsmittel und Klebstoff, kein Schutzfirnis. Es sollte nicht als Abschlussschicht in der Staffeleimalerei eingesetzt werden, außer in spezifischen und dokumentierten Anwendungen.
Bei Innovart erhältliche Firnisse
Bei Innovart bieten wir eine Auswahl an Firnissen und Grundmaterialien für die üblichen Bedürfnisse des Restaurierungsateliers:
MIR-Linie:
- Retuschierfirnis MIR — zur Vereinheitlichung der Saugfähigkeit während des Prozesses der Retusche
- Glanzfirnis MIR — Schlussfirnis für den üblichen Einsatz in bildender Kunst und Restaurierung
- Venezianisches Terpentin MIR — Lösungsmittel und traditioneller Bestandteil für eigene Formulierungen
Harze und Grundmaterialien für eigene Formulierung:
- Paraloid B-72 — international maßgebliches Acryl-Festigungsmittel. Löslich in Aceton und Ethanol. Verwendung: Fixierung von Malschichten, nicht als Schlussfirnis.
- Paraloid B-44 — steifere Variante, zur Festigung harter Oberflächen
- Dammar in Granulat — Naturharz für die eigene Formulierung traditioneller Firnisse
- Mastix — mediterranes Harz für Mischungen und Retuschierfirnisse traditioneller Basis
- UV-Firnis — für zusätzlichen Schutz vor ultravioletter Strahlung in spezifischen Fällen
Wie man einen Restaurierungsfirnis aufträgt
Einige grundlegende Empfehlungen für den Auftrag:
- Umgebungsbedingungen: relative Luftfeuchtigkeit zwischen 40 und 60 % und Temperatur zwischen 18 und 22 °C. Zugluft während der Trocknung vermeiden.
- Saubere und trockene Oberfläche: das Firnissen erfolgt stets auf einer sauberen, stabilen und vollständig trockenen Oberfläche.
- Verdünnung: Harzfirnisse werden in der Regel verdünnt aufgetragen. Die übliche Konzentration für eine Schutzschicht liegt je nach Harz und gewünschter Oberfläche zwischen 10 und 25 Gewichtsprozent.
- Auftragsmethode: weiche Bürste (Marderhaar oder ähnlich) oder Sprühgerät. Das Sprühen verringert das Risiko, die darunterliegende Retusche aufzulösen.
- Dünne Schichten: besser zwei dünne Schichten als eine dicke. Die Trocknungszeit zwischen den Schichten einhalten.
Häufige Fragen zu Restaurierungsfirnissen
Kann ich einen beliebigen Künstlerfirnis verwenden, um ein Werk zu restaurieren?
Nein. Herkömmliche Firnisse der bildenden Kunst sind nicht nach den in der Restaurierung erforderlichen Kriterien der Reversibilität und Stabilität formuliert. Bei Werken von kulturhistorischem Interesse verwenden Sie stets spezifische und dokumentierte Firnisse.
Wie oft muss ein restauriertes Werk gefirnisst werden?
Das hängt von der Ausstellungsumgebung und dem verwendeten Firnis ab. Moderne Firnisse aus Harnstoff-Aldehyd- oder Kohlenwasserstoffharz verhalten sich unter geeigneten Bedingungen über Jahrzehnte stabil.
Wie entferne ich einen oxidierten Firnis?
Mit Lösungsmitteln geeigneter Polarität, stets mit vorherigen Tests in einem wenig sichtbaren Bereich und mit der entsprechenden persönlichen Schutzausrüstung (PSA). Bei Zweifeln wenden Sie sich vor dem Eingriff an uns.
Haben Sie einen konkreten Fall und wissen nicht, welchen Firnis Sie wählen sollen? Schreiben Sie uns — wir beraten Sie unverbindlich.