Die Wahl des passenden Kitts zum Füllen einer Fehlstelle ist eine der häufigsten Entscheidungen in der Restaurierung. Ein Fehler an dieser Stelle kann die mechanische Stabilität der Behandlung beeinträchtigen, die visuelle Lesbarkeit des Werks verändern oder im schlimmsten Fall die originalen Schichten beschädigen. In diesem Leitfaden gehen wir die in der Konservierung-Restaurierung am häufigsten verwendeten Kitt-Typen, ihre Eigenschaften und die jeweils geeigneten Einsatzfälle durch.
Was ist ein Restaurierungskitt und wofür dient er
Der Kitt ist das Füllmaterial, das verwendet wird, um Fehlstellen, Lücken oder Verluste in Malschichten, Trägern oder Fassungen volumetrisch zu rekonstruieren. Seine Funktion ist zweifach: die betroffene Zone mechanisch zu stabilisieren und eine Grundfläche zu schaffen, auf der die chromatische Retusche aufgetragen werden kann.
Ein guter Restaurierungskitt muss folgende Anforderungen erfüllen:
- Mechanische Kompatibilität mit dem Originalträger
- Reversibilität: entfernbar, ohne das Original zu beschädigen
- Langfristige chemische Stabilität (keine Volumenänderungen, keine Säure)
- Geeignete Oberfläche zur Aufnahme der Retuschefarbe
Am häufigsten verwendete Kitt-Typen
Traditionelle proteinhaltige Kitte
Die klassische Rezeptur aus tierischem Leim (Hasenleim oder Hautleim) mit mineralischem Füllstoff (Calciumsulfat, Calciumcarbonat oder Champagnerkreide) bleibt die Referenz für alte Werke auf Holz oder Leinwand mit traditioneller Grundierung. Sie sind mit den Originalmaterialien kompatibel, reagieren gut auf Feuchtigkeitsschwankungen und ermöglichen das Arbeiten in mehreren Schichten.
Wann zu verwenden: Werke vom 13. bis 19. Jahrhundert mit Gips- oder Carbonatgrundierung. Ideal, wenn maximale historische Kompatibilität angestrebt wird.
Einschränkung: Sie sind hygroskopisch. Nicht empfehlenswert in Umgebungen ohne Klimakontrolle.
Modostuc
Handelsüblicher Kitt auf Basis von Calciumcarbonat und Polyvinylacetat (PVA). Sehr verbreitet wegen seiner einfachen Verarbeitung und der guten Oberflächenbeschaffenheit nach dem Schleifen.
Wann zu verwenden: kleine und mittlere Fehlstellen an Werken auf Leinwand oder Holz, bei denen keine maximale Reversibilität erforderlich ist.
Einschränkung: Das PVA altert und wird weniger löslich. Bei Werken von hohem kulturellem Wert zu vermeiden.
Polyfilla Fine Surface
Pulverkitt auf Basis von feinkörnigem Acrylgips (kommerziell auch als Polyfilla Interior bekannt). Gute Dimensionsstabilität, geringe Schwindung beim Trocknen. Er kann in dünnen Schichten aufgetragen und geschliffen werden, bis sehr kontrollierte Texturen erreicht sind.
Wann zu verwenden: ebene Fehlstellen in zeitgenössischer Malerei oder wenn ein sehr präzises Finish benötigt wird. Gute allgemeine Option für die K&R.
Lascaux Gesso
Halbsaugfähige Acrylgrundierung von hoher Qualität, formuliert für die bildende Kunst und die Konservierung. Poröse und matte Oberfläche mit guter Haftung auf jedem Träger. Nach dem Aushärten bildet sie eine feste Basis, die Öl-, Acryl- oder Temperaretuschen ohne Migration aufnimmt.
Wann zu verwenden: zeitgenössische Werke, die für die Retusche eine Basis mit kontrollierter Saugfähigkeit benötigen. Besonders geeignet beim Arbeiten mit wässrigen Techniken oder mit Aquarellretusche.
Lascaux Primer
Acrylgrundierung, die dichter und weniger saugfähig ist als das Gesso derselben Marke. Feste Oberfläche mit geringerer Porosität, gedacht für technisch anspruchsvollere Träger oder wenn eine minimale Saugfähigkeit in der finalen Retuscheschicht erforderlich ist.
Wann zu verwenden: Fehlstellen, bei denen das Originalwerk eine sehr geschlossene Grundierung aufweist, zeitgenössische Acrylwerke oder wenn die Retusche in einem fetten Medium erfolgt und keine Saugfähigkeit erwünscht ist.
Wesentlicher Unterschied zum Gesso: Der Primer ist undurchlässiger; das Gesso ist saugfähiger. Die Wahl hängt von der vorgesehenen Retuschetechnik ab.
Schnellvergleich
| Kitt | Basis | Reversibilität | Geeignet für |
|---|---|---|---|
| Tierischer Leim + Füllstoff | Proteinhaltig | Hoch (heißes Wasser) | Alte Werke, Holz, historische Leinwand |
| Modostuc | PVA + Carbonat | Teilweise | Allgemeine Verwendung, kleine Fehlstellen |
| Polyfilla Fine Surface | Acrylgips | Gut | Ebene Fehlstellen, feines Finish |
| Lascaux Gesso | Halbsaugfähiges Acryl | Teilweise† | Zeitgenössische Werke, wässrige Retusche |
| Lascaux Primer | Dichtes Acryl | Teilweise† | Hohe technische Anforderung, synthetische Träger |
† Ausgehärtete Acrylmaterialien sind nicht wasserlöslich; sie können mit spezifischen Lösungsmitteln (Aceton, Aceton/Alkohol-Mischungen) entfernt werden. „Teilweise“ nicht mit „nicht reversibel“ verwechseln.
Schlüssel zur Anwendung
- Feuchtigkeit des Untergrunds: Das leichte Anfeuchten der Fehlstelle vor dem Auftragen proteinhaltiger Kitte verhindert, dass diese zu schnell aufsaugen und sich zusammenziehen.
- Dünne Schichten: Mehrere dünne Schichten sind besser als eine dicke. Das reduziert die Schwindung und gibt mehr Kontrolle über das endgültige Niveau.
- Niveau der Endbearbeitung: Der Kitt sollte leicht unter dem Originalniveau bleiben, damit die Retusche nicht über die Malerei läuft.
- Vor der Retusche isolieren: Eine Schicht Firnis oder Festigungsmittel zwischen Kitt und Retusche verhindert die Farbmigration und erleichtert ihre spätere Entfernung.
Zusammenfassung
Es gibt keinen universellen Kitt. Die Wahl hängt vom Träger, der Entstehungszeit des Werks, der Konservierungsumgebung und der Art der anzuwendenden Retusche ab. Die Schlüsselfrage lautet immer: Welches Maß an Reversibilität benötige ich und mit welchen Originalmaterialien arbeite ich?
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